Zeittafel von Willerstedt 1110 bis 2010

 
  • 1110, Erfurt, 26. Juli - Unter diesem Datum bezeugt u. a. Gerhard von Wilherstede eine Schenkungsurkunde des thüringischen Grafen Ludwig (der Springer) und seiner Gemahlin Adelheid für das Kloster Reinhardsbrunn über die Kirche zu Sangerhausen. (Urkundliche Ersterwähnung von Willerstedt)
  • 1186/1189 bis 1358 gibt es urkundliche Nachrichten der Mitglieder der Familie von Willerstedt. Jedoch als Ritter in Willerstedt treten nach unserer Kenntnis die Dietmare’e von Willerstedt nur bis 1302 in Erscheinung.
  • 1274, 13. Juli – Ditmar junior Ritter von Willerstedt trennt 1274 als Patron die Kirche in Nirmsdorf von der Pfarrei Willerstedt, dotiert sie als Pfarrkirche und übergibt das Patronat darüber dem Pfarrer zu Willerstedt.
  • 1287, 5. Juni – Der Landgraf schenkte dem Marienstift in Erfurt 2 ½ Hufen in Oberreißen (Heute: „alte Gebind“ in der Willerstedter Flur) Zeugen: Landgräflicher Ministerial Dietmar der Ältere von Willerstedt und Gottfried von Rudersdorf.
  • 1333, Eisenach, 25. November – Hermann Graf von Orlamünde, der Herr zu Weimar, wird vom Landgrafen mit Willerstedt, dem Haus (Burg) und mit allen was dazugehört belehnt.
  • 1345, 23. März - Fast am Ende des sogenannten thüringischen Grafenkrieges wurde die Burg Willerstedt nach zweitägiger Belagerung durch die Erfurter mit Hilfe des Landgrafen erstürmt und zerstört. Sie durfte nicht wieder erbaut werden. Das Burglehn erhielt Kristian von Witzleben, der spätere Besitzer der Burg Wendelstein an der Unstrut.
  • 1490 - Der steinerne Teil des Kirchturmes in Willerstedt ist der erhalten gebliebene Teil des Kirchenbaues um das Jahr 1490. Pfarrer Ernst Alberti verweist in der Kirchturmknopf-Urkunde von 1928 auf den Kirchenbau im 15. Jahrhundert. In einen anderen Schriftstück aus jener Zeit wird auch erstmals die Sankt Alban Kirche in Willerstedt erwähnt.
  • 1506 - Im Registrum Subsidii Clero Thüringia – Anno 1506 impositi werden in Willerstedt eine Vicaria und eine Kapelle Sankt Elisabeth genannt. Vermutlich eine Wegekapelle an der „via regia“ in der „alten Gebind“.
  • 1525 - Der Bauernkrieg findet auch in Willerstedt sein Echo. Die Bürger „hatten sich des herrschaftlichen Teiches, des Backofens und der Schenke angemaßt und wollten dieselben für die Gemeinde behalten, sowie auch „etliche Beschwerungen der Frohnen abgethan haben wollen“.
  • 1593 - Aus einer Weimarer Kammerrechnung des Jahres 1593 und dem ältesten Kirchenbuch von Willerstedt ergeben sich schlüssige Beweise für die frühe Existenz der Willerstedter Windmühle.
  • 1603 - Johann Thüring kommt für den verstorbenen Amtsvorgänger Casper Engelmann als Lehrer und Kantor nach Willerstedt. Er war einer der bedeutenden Vertreter der thüringisch ländlichen Musiktradition des 17. Jahrhunderts. 1617 trat er erstmals mit gedruckten Kompositionen an die Öffentlichkeit, gedruckt bei Johann Weidner in Jena. Diese waren dem 100jährigen Jubiläum des Reformationstages gewidmet. Johann Thüring verstarb 1635.
  • 1636, 4. Adventssonntag - Willerstedt am alten Heerweg gelegen, bekommt unerwünschten Besuch durch schwedische Soldaten. Wegen Übergriffe auf Frauen kam es zu Auseinandersetzungen, welche auch noch ausuferten. Mehrere schwedische Soldaten wurden erschlagen. Einige Gebeine davon fand man 1908 bei einem Hausbau.
  • 1733, 20. April – Großbrand in Willerstedt. Das Feuer entstand im letzten Haus an der Straße nach Nirmsdorf und breitete sich bei starkem Sturm rasch auf das ganze Dorf aus. Nur 10 Häuser wurden verschont. Noch im selben Jahr wurden durch Johann Christoph Rose in Apolda drei neue Bronzeglocken gegossen und auf dem Turm gebracht. Dieser wurde nur mit einem Notdach versehen. Nach 10jähriger Bauzeit war die Kirche fertiggestellt. Ein sogenanntes Stiftungswappen an der Kanzel erinnert an den damaligen Patron der Kirche – Herzog Johann Adolf II zu Sachsen-Weißenfels.
  • 1806, 14. Oktober - Die Schlacht bei Auerstedt ging auch an Willerstedt nicht spurlos vorbei. Gegen 1 Uhr (13:00 Uhr) kam der Rückzug der fliehenden Preußen auch auf den alten Heerweg nördlich an Willerstedt vorbei. Am nächsten Tag kamen die Franzosen ins Dorf Willerstedt,… brandschatzten, auch plünderten sie die Wohnungen des „Pfarrers und aller Wohlhabenden“. Dabei suchten sie vor allem nach Geld und Wein.
  • 1813, 2. Juni – In der Nacht marschierte das Lützower Freikorps, aus den Wäldern des Eckartsberges kommend, an Willerstedt vorbei und überquerten in Oßmannstedt die Ilm. Ursprünglich wollten sie Weimar „entsetzen“ aber wegen zu starker feindlicher Kräfte dort, mussten sie das Vorhaben fallen lassen und versteckten sich bis zur Dunkelheit in den Wäldern des Eckartsberges.
  • 1823 - Im Staatshandbuch Sachsen-Weimar-Eisenach zu Willerstedt: Ein Berg, die Burg genannt, eine Windmühle, eine Wassermühle, 384 Einwohner, 97 Häuser, Schultheiß Johann Adolf Tröbner, Pfarrer Friedrich Andreas Tölden, Lehrer Johann Christian Thieme. Letzterer war auch der erste Lehrer und Förderer von Franz Th. M. Böhme.
  • 1827, 11. März – Franz Theodor Magnus Böhme erblickt als Sohn eines Bauern das Licht der Welt. Er ward Dorfschullehrer und entwickelte sich später zu einem bedeutenden Volksliedsammler und – forscher. Am 18.10.1898 verstarb Professor Böhme in Dresden.
  • 1836 - Der Männergesangverein „Thalia“ wird gegründet,
  • 1837 - Der Burschenverein wird gegründet.
  • 1838 - Der Versicherungsverein wird gegründet.
  • 1841 - Es wurde begonnen, einen lang gehegten Wunsch umzusetzen, den Burghügel „durchzugraben“. Mit der Erde sollten die Felder „gedüngt“ werden. Auch wollte man sehen, was sich im Inneren befindet. Auf der Südseite wurde ein ziemlicher Einschnitt gemacht, aber nichts gefunden (außer einem Balken). Zwei Jahre später wurde die Aktion fortgesetzt. Die Erde als Dünger hat keine „sonderliche“ Wirkung gezeigt.
  • 1842/1843 - Suche nach Braunkohle (Lettenkohle) in Willerstedt, verlief ergebnislos.
  • 1863 - Beginn der Separation (Zusammenlegung der Felder). Die Ackerparzellen wurden größer, ihre Anzahl wesentlich kleiner. 1874 erfolgte die Unterschriftsleistung der Besitzer, danach wurde die Generalkarte gezeichnet und ein Findbuch erarbeitet.
  • 1876, 27. Januar - Curt Elschner erblickt in Willerstedt das Licht der Welt. Er entwickelte sich vom Schneidersohn zu einem erfolgreichen Großhotelier, war Geheimer Kommerzienrat und erhielt die Ehrendoktorwürde. Für seine Heimatverbundenheit und reichlichen Spenden wurde er am 22.10.1922 Ehrenbürger seines Geburtsortes. Ihre letzte Ruhestätte fanden 2001 Curt Elschner und seine Frau Berta auf dem Willerstedter Friedhof, in unmittelbare Nähe seiner 1914/15 gestifteten Friedhofskapelle.
  • 1903 - Der Saalneubau bei der „Gemeindeschenke“ konnte abgeschlossen werden.
  • 1908 - Wurde hier eine Privatmolkerei gebaut, zur Weihnachtszeit kam elektrischer Strom ins Dorf und schon am 1. April wurde eine Posthilfsstelle eröffnet.
  • 1909 - Am 2. Pfingstfeiertag fuhr über die Windmühle Graf Zeppelin mit seinem Luftschiff „Z II“ durch. Scheinbare Höhe 200 m.
  • 1910 - Bei einer Hasenjagd im November wurden 715 Hasen und 14 Rebhühner erlegt.
  • 1914 - 72 Willerstedter nahmen am 1. Weltkrieg teil, 14 von ihnen haben ihr Leben auf den Schlachtfeldern verloren.
  • 1927 - Am 9. August wurde die hiesige Kirche von einen schweren Brandunglück heimgesucht. Während eines Gewitters setzte ein zündender Blitz dem Kirchturm in Brand. Das Kirchenschiff wurde gerettet. Mit dem Wiederaufbau des Turmes wurde umgehend begonnen, da ja die Baukosten durch die von der Landesversicherung gewährte Entschädigungssumme (20031 Reichsmark) gedeckt waren. Schon am 29. Februar 1928 wurden 3 neue Kirchenglocken auf dem Turm gebracht und am 7. April 1928 (Ostersonnabend) wurde der neue kupferne Turmknopf und die neue kupferne Wetterfahne auf dem Turm befestigt.
  • 1934 - Die Wasserversorgung aus Sachsenhausen kommt ins Dorf. Mit Hacke, Schaufel, und Spaten wird das Werk vollbracht. Die Arbeiter waren bei den Einwohnern in Kost und Logis.
  • 1939 - Der Gutsbesitzer Max Wilde erhält den „Eduard Vogt Preis 1939“ für hervorragende Gesamtleistung auf dem Gebiet der Kaltblutpferdezucht in Thüringen.
  • 1939 - Am 1. September beginnt mit dem Überfall auf Polen der 2. Weltkrieg. 105 Willerstedter und Zugezogene, sowie Angehörige von noch heute in Willerstedt wohnende Vertriebene wurden als Wehrmachtsangehörige in den 2. Weltkrieg eingezogen. 33 kehrten nicht wieder zu ihren Familien zurück, weitere 3 waren schwer verwundet. Vermutlich 1943/44 wurden zwei junge Männer sterilisiert und eine junge Frau wegen verbotener Liebe zu einem polnischen Kriegsgefangenen im KZ Ravensbrück umgebracht.
  • 1945 - Am 11. April gegen 13:30 Uhr kam eine amerikanische Panzereinheit mit Unterstützung eines Aufklärungsflugzeuges nach Willerstedt. Rechtzeitig wurde am Kirchturm die weiße Flagge (Betttuch) gehisst.
  • Im Juli kamen Truppen der Roten Armee als Besatzungsmacht. Der Schulbetrieb wurde im Oktober wieder aufgenommen, ca. 100 Kinder mussten unterrichtet werden.
  • Das Backhaus brannte ab. Nach den Aufräumungsarbeiten wurde sofort mit dem Wiederaufbau begonnen. Weil es einen sehr großen Wohnraumbedarf gab, wurde das Backhaus vergrößert.
  • 1946 - Erste Gemeindewahlen wurden nach dem Krieg durchgeführt. Im Gemeinderat hatte die SED 2 Mandate und die CDU 10 Mandate. Bürgermeister wurde Robert Fulsche von der CDU und Vorsitzender des Gemeindevorstandes wurde Max Ziegler von der CDU. Am 1. Weihnachtsfeiertag wurden unter Leitung von Kurt Baumbach durch die FDJ-Theatergruppe zwei Stücke aufgeführt: „Holzfäller-Leni“ und „Der blaue Montag“.
  • 1947, 31. Januar – Willerstedt hat 688 Einwohner, davon 423 Altbürger und 265 Neubürger (Evakuierte, Vertriebene und Flüchtlinge).
  • 1956 - Im 2. Halbjahr wird mit dem Bau der Betonstraße Willerstedt – Rudersdorf (ca. 2 Km) begonnen und fertiggestellt. Einige Restarbeiten wurden erst 1957 beendet.
  • 1957 - wurden drei Willerstedter Bauern wegen „Kneipengespräche“ , in dem sie sich gegen den Eintritt in die LPG äußerten, verhaftet und durch DDR-Gerichte zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein Jahr später ereilte einen weiteren Willerstedter das gleiche Schicksal. 1992/93 wurden die Urteile aufgehoben.
  • 1958 - 9 Betriebe gründeten am 10. Juli die LPG Pionier. Im März 1960 konnte Willerstedt als vollgenossenschaftliches Dorf gemeldet werden.
  • 1971 - Der gebürtige Willerstedter Gerhard Porsche (1949/1972) war Orientierungsläufer einer Jenaer-Weimarer-Sportlergruppe, welche den GuthsMuthsRennsteiglauf, mit einem Drei-Etappen-Lauf über 130 Km im August 1971 begründeten.
  • 1976 - wurde die Willerstedter Gemarkung in die Staatsjagd einbezogen. Vor allem die Sicherheitsvorkehrungen führten zu heftigen Diskussionen unter den Einwohnern. Es fanden noch zwei weitere Staatsjagden hier statt.
  • 1989 - ist die Zeit der friedlichen Revolution und der Wende in der DDR. An der Schwelle zum Herbst gibt es die ersten Demonstrationen, Willerstedter fahren nach Leipzig, sind in Apolda, Weimar und Buttstädt dabei.
  • 1990 - Am 6. Mai waren Kommunalwahlen: 31 Kandidaten auf 7 Listen stellten sich zur Wahl. Davon wurden 15 in die neue Gemeindevertretung gewählt. Bürgermeister wurde Heinrich Schleicher (CDU). Gemeindevorsteher und Vorsitzender des Hauptausschusses wurde Rolf Blumstengel (CDU).
  • 1998 und 2010 - Besondere Höhepunkte im Leben der Gemeinde waren die Feiern zur urkundlichen Ersterwähnung von Willerstedt, sowohl zur 888. als auch zur 900. Jahrfeier. Die Dorfgemeinschaft ist dabei zusammengerückt und hat gezeigt, zu was sie in der Lage ist. Tatkraft, Stolz und Freude dominierten. Sponsoren, Nachbargemeinden und befreundete Vereine halfen und feierten mit.
 
Chronik von Willerstedt

Diese Zeittafel (Kurzfassung) wurde auf der Grundlage des im Jahre 2010 herausgegebenen Gemeindepanoramas erarbeitet.

Wer mehr zur Geschichte von Willerstedt erfahren möchte:

a) besucht bitte öfters unsere Homepage, auf der zukünftig aktuelle und ausführlichere Berichte zur Geschichte von Willerstedt erscheinen werden,

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Walter Ladensack